Kinder zahlen für Eltern

Reicht das Geld der Eltern nicht, um die Kosten für ein Pflegeheim zu decken, sind die Kinder unterhaltspflichtig
und müssen zahlen. Die Unterbringung in einem Pflegeheim kann gut und gerne 3000 bis 4000 Euro monatlich kosten.
Ein Großteil dieser Kosten entfällt nicht auf reine Pflegeleistungen sondern auf Unterbringung und Verpflegung, sogenannte
“Hotelkosten”. Die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt sich an diesen Kosten im Regelfall nur mit maximal 1510 Euro
(Pflegestufe 3, ab 1.1.2012 sind das 1550 Euro maximal). Für die Differenz muss der Pflegebedürftige selbst aufkommen
und zunächst sein eigenes Vermögen einsetzen.

Reicht das nicht aus, springt zunächst das Sozialamt ein. Allerdings prüft das Sozialamt, ob eine finanzielle Beteiligung
der unterhaltspflichtigen Kinder möglich ist. Kinder und auch deren Ehepartner sind verpflichtet, ihre finanziellen Verhältnisse
gegenüber dem Sozialamt offenzulegen. Eine Beteiligung der Kinder an den Pflegekosten der Eltern ist allerdings nur dann möglich, wenn die Kinder ausreichend viel verdienen, um zunächst ihre eigenen Lebenshaltungskosten zu decken.

Elternunterhalt Schonvermögen:

  • die unterhaltspflichtige Person selbst hat einen Anspruch auf einen monatlichen Selbstbehalt von 1500 Euro
  • für den Ehepartner kommen noch einmal weitere 1200 Euro hinzu

Zusätzlich muss Geld für folgende Zwecke berücksichtigt werden:

  • Unterhaltsverpflichtungen für die eigenen Kinder
  • Aufwendungen für die private Altersvorsorge (bis 5% des monatlichen Bruttoeinkommens bei gesetzlich Rentenversicherten
    bzw. bis 25% des monatlichen Bruttoeinkommens bei Personen, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen)
  • Berufliche Aufwendungen (z.B. Fahrtkosten zur Arbeit, Kosten für Arbeitsmittel)
  • Raten für Kredite, die bereits vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit aufgenommen worden sind

Das Sozialamt bezieht sich bei den Unterhaltsverpflichtungen zunächst auf laufendes Einkommen, nicht auf vorhandene
Vermögenswerte. Erst wenn alle unterhaltspflichtige Personen geprüft worden sind und klar ist, dass aus laufendem Einkommen
keine Unterstützungszahlungen möglich sind, wird vorhandenes Vermögen herangezogen, allerdings auch nur eingeschränkt;
ein selbst bewohntes Eigenheim beispielsweise muss nicht verkauft werden. Haben die Eltern vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit
wertvolle Vermögensgegenstände an die Kinder verschenkt, kann das Sozialamt unter Umständen die Rückabwicklung dieser
Schenkung verlangen, sofern zwischen Eintritt der Bedürftigkeit des Elternteils und der Schenkung noch keine zehn Jahre
vergangen sind (beispielsweise wenn die Eltern der Tochter das Haus überschrieben haben).

Auch wer keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern hat, muss in aller Regel bezahlen, was mittlerweile viele Gerichte bestätigt
haben. Das gilt auch dann, wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Kind nicht mehr das beste war und einiges vorgefallen ist.
Nur in Härtefällen, etwa der Elternteil selbst den Kindern früher keinen Unterhalt bezahlte oder ein Kind sexuell belästigt oder
missbraucht wurde, besteht keine Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern mehr.

Wer seinen Kindern später nicht zur Last fallen möchte, sollte über den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung nachdenken.

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